Das Waldgartensystem
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©
Der ‚Waldgarten‘ ist in seiner Komplexität ein dynamisches Mehr-Etagen-System, in dem jahrhundertealtes indigenes Wissen über die Bewirtschaftung des Regenwaldes und ‚westliches‘, naturwissenschaftlich geprägtes Wissen integriert werden. Das System beruht darauf, degradierte Flächen durch gezielte Anwendung nativer Pflanzen, Strauch- und Baumarten und unter Ausnutzung der natürlichen Artenfolge der autochthonen Vegetation in einen Waldgarten zu überführen. Dabei wird versucht, die natürliche Abfolge der Pflanzengesellschaften von den Pionieren mit kurzem Lebenszyklus bis zu Primärwaldarten mit sehr langem Lebenszyklus zu replizieren. Die in ihren ökophysiologischen Eigenschaften und ihrem Lebenszyklus an das jeweilige Sukzessionsstadium angepassten Nutzpflanzen sowie alle spontan auf der Fläche wachsenden Pflanzen, werden integriert – also auch die im konventionellen Landbau als ‚Unkräuter‘ bezeichneten. Zusätzlich werden Samen aus den umliegenden Sekundär- und Primärwäldern gesammelt und in der Pflanzung ausgesät. Die Begleitflora ist wachstumsfördernd und steigert den Energieumsatz im System, was für die Erhaltung sowie Steigerung von Bodenfruchtbarkeit und damit für die Produktivität des Systems insgesamt von großer Wichtigkeit ist. Der Waldgarten besitzt eine große Artenvielfalt (u.U. weit über hundert Arten), wenn auch einige Kulturpflanzen wie Kakao, Banane, Ananas oder andere Kulturarten dominieren, um diese marktorientiert zu produzieren. Neben dem Nachvollziehen der natürlichen Artenfolge und der Artenvielfalt kommt den Pflegearbeiten eine entscheidende Bedeutung zu (siehe auch ELBERS 2002). |