Sukzessionale Agroforstsysteme als Alternative Anbauform


[Das Waldgartensystem]
[Prinzipien]

[Selektives Jäten und Schnittarbeiten]

[Synchronisation und Verjüngung des Systems]

Synchronisation und Verjüngung des Systems
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©

Viele der ökonomisch wichtigen Kulturpflanzen wie Kakao, Kaffee, Ananas und Orangen benötigen Impulse zur Blühinduktion. Sie können durch Kälteperioden, Trockenheit, Lichteinfall oder in Kombination davon erfolgen. Um diesen Faktoren Rechnung zu tragen und auch aus arbeitstechnischen Gründen, werden für die Anlage dynamischer Agroforstsysteme solche Baumarten des Oberbaues ausgewählt, die vorzugsweise laubabwerfend sind und die über einen längeren Zeitraum hinweg nur geringfügig Schatten spenden. Viele Arten, die den Oberbau des Primärwaldes in der Amazonasregion einnehmen, wie die Amazonasnuss ( Berholetia excelsa ), Ceiba Ceiba pentandra und Gummi ( Hevea brasiliensis ), weisen einen ausgeprägten Blattwechsel während der Monate mit kürzeren Tageslängen bzw. während der niederschlagsärmeren Monate auf und können über mehrere Wochen bis zu einigen Monaten vollständig unbelaubt sein. Diejenigen Arten, die keinen vollständigen Blattwechsel haben, wie z.B. Inga ssp , (Lebenszyklus von ca. 15 bis 35 Jahren) einer der am häufigsten verwendeten Schattenbäume in Kakao- und Kaffeepflanzungen, werden genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Arten des Oberbaues ihr Laub abwerfen, zurückgeschnitten. Am Standort Alto Beni sollten diese Arbeiten in Kakaopflanzungen gegen Ende der Ernteperiode, während der Monate August bis Oktober erfolgen. In Orangenpflanzungen mit spätfruchtenden Sorten wie späte Valencia, sollte die Synchronisierung des Systems bereits während der Monate Mai bis Juni stattfinden.

Orangenpflanzung in Agroforstsystem (Foto: Joachim Milz)

 

Die selbe Orangenpflanzung nach Rückschnitt der Schattenbäume (Inga ssp.) (Foto: Joachim Milz)




























Nach den Baumschnittarbeiten erhält die Orangenpflanzung eine starke direkte Sonneneinstrahlung, was für die Zuckerbildung in den reifenden Früchten wenige Monate vor der Ernte von großer Bedeutung ist. Zu Beginn der Pflückreife ist das System durch das Blätterdach fast wieder vollständig geschlossen. Dies bewirkt, dass der Erntezeitpunkt im Gegensatz zu Pflanzungen in Monokultur stark hinausgezögert werden kann, da es kaum zu vorzeitigem Fruchtfall durch Trockenstress kommt. Der Fruchtfliegenbefall ist ebenfalls statistisch signifikant geringer als in Monokulturen und erreicht keine ökonomisch relevante Schadensschwelle (Untersuchungen durchgeführt von SOTO und Milz 2004 ). Die Schnittmaßnahmen haben weiterhin zur Folge, dass das System periodisch verjüngt wird, was wiederum das Triebwachstum fördert, mit der Folge, dass die Biomassenproduktion ansteigt und damit der Energiefluss durch das System erhöht wird. Die starke Auflage von Bodenstreu verringert die Evaporationsrate und damit die Wasserverluste, ein wichtiger Aspekt während der Monate mit Regendefizit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ananas blüht normalerweise unregelmäßig über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg, was die Erntetätigkeit erschwert. In konventionellen Pflanzungen erfolgt die Blühinduktion daher meist hormonell um ein gleichmäßiges Reifen der Früchte zu erzielen. In Agroforstsystemen kann die Blühinduktion ausschließlich über einen starken Lichtimpuls erfolgen, indem das System zum geeigneten Zeitpunkt durch Schnittmaßnahmen stark geöffnet wird. Im Alto Beni wurde der höchste Fruchtbesatz an Ananas mit Schnittarbeiten während der Monate Dezember bis Januar erzielt. Durch frühzeitiges Öffnen des Systems oder entsprechend auch durch das Verzögern der Synchronisierung kann der Erntezeitpunkt so gesteuert werden, dass die Haupternte zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem optimale Marktpreise zu erzielen sind.