Sukzessionale Agroforstsysteme als Alternative Anbauform


[Das Waldgartensystem]
[Prinzipien]

[Selektives Jäten und Schnittarbeiten]

Anlage von sukzessionalen Agroforstsystemen
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©

Die Grundlage für die erfolgreiche Anlage eines Agroforstsystems ist, wie beschrieben, die Kenntnis der örtlichen Pflanzenarten, um geeignete Artenkonsortien zusammenzustellen, damit diese den Kulturpflanzen Schutz bieten und gleichzeitig für den notwendigen Energieumsatz im System sorgen können. Ebenfalls von grundlegender Bedeutung dabei ist die korrekte Einordnung des Standortes.


Abb.: Aussaat der Baumsamenmischung (Foto: Joachim Milz)



Abb.: Vorbereitung der Samenmischung (Foto: Joachim Milz)

Ist dieser schon degradiert, dann handelt es sich möglicherweise um ein Akkumulationssystem und es müssen andere Pflanzenkonsortien zusammengestellt werden als für einen Standort mit guter Bodenfruchtbarkeit (siehe Abundanzsystem). Hinweise darauf gibt die vorhandene natürliche Vegetation von brachliegenden Feldern und die Artenzusammensetzung von Sekundärwald. Arten, die einen starken Rückschnitt vertragen oder über ei­nen guten Stockausschlag verfügen, sind besonders geeignet.

Ausgehend von der zukünftigen „Hauptkultur“ (die ökonomisch wichtigste Kultur für den Landwirt), werden alle Arten der be­schriebenen Konsortien als Samenmischung zusammen mit den Pionieren wie z.B. Mais ausgesät. Vegetativ vermehrter Kakao oder Orangen können auch noch später ausgepflanzt werden. Wenn möglich, sollte auf das Abbrennen des Feldes verzichtet werden, um nicht unnötig Energiereserven des Bodens zu verlieren.

Zur Strukturierung des Feldes eignen sich besonders Kulturen wie Ananas, Maniok oder Bananen, die in Abständen wie in Monokultur gepflanzt werden. Die Baumsamenmi­schung wird nun in Reihen neben Ananas oder zwischen Maniok und Bananen ausgesät. Während des ersten Jahres wird dabei eine Bestandsdichte von 5 bis 8 etablierten Bäumen pro m² angestrebt.

Zum Abschluss werden Mais zusammen mit Bohnen, Soja oder Canavalia ensiformis gesät. Aufgrund des dichten Pflanzenbewuchses kommt es kaum zu unerwünschter Beikrautentwicklung.

Während der ersten Monate dominiert der Mais als Oberbau die Pflanzung. Die ersten Pflegearbeiten erfolgen meist erst in Zusammenhang mit der Bohnen- und Maisernte. Der durch diese Erntearbeiten verursachte erhöhte Lichteinfall und die Öffnung des Systems dynamisieren den Aufwuchs der anderen Arten. Die Pflanzenrückstände verbleiben auf dem Feld und reichern den Boden mit organischem Material an.


Zweijährige Agroforstpflanzung von E.Götsch in Bahia – Brasilien mit Ananas und Maniok als Sekundärkultur mit kurzem Zyklus (Foto: Joachim Milz)

In der Folge dominieren die Sekundärarten des Oberbaues mit kurzem Zyklus wie Straucherbse ( Cajanus cajan ) oder Maniok die Pflanzung, in deren Schutz sich die Ananas besonders gut entwickelt. Nach ca. 8 Monaten erfolgt ein starker Rückschnitt der Cajanus, die ein hohes Potential an leicht abbaubarer Biomasse hat, bzw. ein Rückschnitt des zweijährigen Maniok. Einjährige Manioksorten sind weniger gut geeignet. Das erneuerte Öffnen des Systems induziert die Blütenbildung von Ananas, die nach wenigen Wochen durch den Neuaus­trieb der Cajanus bzw. des Maniok bereits wieder beschattet wird und unter deren Schutz ausreifen kann.

Nachdem die Cajanus oder der Maniok ihren Zyklus nach ca. 24 Monaten beendet ha­ben, dominieren die Sekundärarten II die Pflanzung, unter deren Schutz sich die Sekun­därarten III, sowie die Primärarten zusammen mit dem Kakao entwickeln. Auf diese Art und Weise lassen sich auf jeder Stufe sukzessionaler Prozesse Kulturpflanzen integrie­ren, die vom System mitgetragen werden und zu einer positiven Energie- und Lebens­bilanz führen (Zunahme von Syntropie).