| Systeme mit Orangen
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©
Orangen gelten im Gegensatz zu Kakao und Kaffee als klassische Kulturen, die grundsätzlich ohne Schattenbäume angebaut werden. Diese anspruchsvolle Kultur gedeiht jedoch an feucht tropischen Standorten nur auf besten Böden, die wie oben beschrieben, ohne eine permanente Zufuhr von Energie in Form organischen Materials sehr schnell ihre Fruchtbarkeit verlieren und damit keinen ökonomisch rentablen und ökologisch akzeptablen Anbau gestatten.
Zwei Praxisbeispiele sollen zeigen, wie diese klassische Lichtkultur in Agroforstsystemen gedeihen kann.
Beispiel 1: Nachträgliche Installation eines Agroforstsystems in eine bereits etablierte Orangenpflanzung
In der Anbauregion Alto Beni wurde der Anbau von Orangen, vor allem der Sorte Späte Valencia, während der letzten 20 Jahre massiv ausgeweitet. Die Neuanlage von Pflanzungen erfolgte dabei oft auf Böden, die bereits vorher intensiv für den Anbau von Reis oder Mais genutzt worden waren oder aber auch auf gerodeten Kakaofeldern. Nach gut 2 Jahrzehnten Erfahrung mit dieser Kultur in der Region beginnen in immer stärkerem Maße Probleme phytosanitärer Art aufzutreten, wie Fruchtfliegenbefall, Pilzkrankheiten sowie Pflanzenparasiten. Auch Anzeichen von Nährstoffmangel sowie starkem Unkrautbewuchs sind immer häufiger anzutreffen. Die Ernteerträge gehen bereits nach 3 bis 4 Erntejahren zurück und die Bäume entwickeln dabei deutlich kleinere Früchte.
Längere Trockenperioden verursachen zusätzlich frühzeitigen Fruchtfall. Pflanzungen mit einem Standalter von 12 bis 15 Jahren sind oft nicht mehr wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.

10 Jahre alte Orangenpflanzung in Monokultur in unmittelbarer Nachbarschaft des eigenen Betriebes. Die Bei-krautvegetation besteht vor allem aus Gräsern (Aufnahme J.Milz 2003)

Spitzendürre und Chlorosen sind in Monokulturen häufig anzutreffen. Die ersten Bäume sterben häufig schon nach 15 bis 20 Jahren ab (Foto: J. Milz)
Die Orangenpflanzung von J. Milz war 1989 mit Pflanzabständen von 6m x 6m auf einer Fläche von 1,25 ha angelegt worden. Zur Bodenbedeckung wurden Leguminosen gesät. Nach dem Auftreten erster phytosanitärer Probleme, ist zu Beginn des Jahres 1996 begonnen worden, die Pflanzung umzugestalten.

Orangenpflanzung 1996 mit Glycine wigghiti und Arachi pintoi als Bodenbedecker vor der Umgestaltung als Agroforstsystem
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Die Pflanzung im März 2001, nachdem die Schattenbäume bereits ein dichtes Kronendach über den Orangen gebildet haben. Hier bei Schnittarbeiten an Schattenbäumen (Foto: J. Milz) |
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Ab 2002 sind die niedrig wüchsigen Cavendish Bananen aus dem System entfernt worden und nur noch die hochwüchsigen und schattenliebenden sog. roten und gelben Bananen ( manzanos) im System verblieben. An Palmenarten sind Pupunha ( Bactris gassipaes), Motacú ( Scheela princeps ) sowie Asaí ( Euterpe ssp .) vorhanden, wobei Pupunha zum einen ein zusätzliches Einkommen ermöglicht und zum anderen ein hochwertiges Nahrungsmittel darstellt.
Im Gegensatz zu gleichaltrigen Pflanzungen in Monokultur in unmittelbarer Nachbarschaft unter gleichen Boden- und Witterungsbedingungen, sind die Erträge dieser Agroforstpflanzung – im Rahmen der normalen Alternanz – relativ konstant. Die investierten Pflegemaßnahmen in Agroforstsystemen führen zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, im Gegensatz zu den Arbeiten in Monokultur, die keine Verbesserung des Systems zur Folge haben. Ab 2005 ist zusätzlich mit Ernteerträgen der Kakaobäume in der Pflanzung zu rechnen, da die ersten Bäume bereits im Jahr 2004 Früchte angesetzt haben .
Abb: Pflanzung in 2004
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