Beispiele von Agroforstpflanzungen


[Mais/Bohnen]

[Systeme mit Orangen]


Beispiele von Agroforstpflanzungen
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©

Für viele Kleinbauern steht das ökonomische Interesse gegenüber ökologischen Aspekten im Vordergrund. Dem ist bei der Konzeption und dem Installieren von Agroforstsystemen Rechnung zu tragen. In der Anbau- und Beratungspraxis wird daher versucht, die vordergründig widersprüchlichen Aspekte von Ökonomie und Ökologie miteinander in Einklang zu bringen und Kompromisse einzugehen. Systeme für Waldkulturen wie Kakao und Kaffee werden von Kleinbauern im Allgemeinen gut akzeptiert. Bei klassischen Lichtkulturen wie Orangen und Ananas und im Anbau von einjährigen Kulturen wie Mais und Bohnen, die vor allem in Zentralamerika und Teilen Südamerikas eine große Bedeutung haben, ist die Skepsis der Landwirte gegenüber Agroforstsystemen anfänglich aber oftmals noch sehr groß. Hier ist es hilfreich, zuerst in kleinflächigen Demonstrationspflanzungen bereits in der Praxis erprobte Systeme zu installieren. Nicht immer ist es möglich, von Beginn an komplexe, artenreiche, sukzessionale Agroforstpflanzungen aufzubauen, da das Verständnis dafür und das Vertrauen darauf erst im Laufe der Zeit entwickelt werden muss. Häufig stehen auch noch nicht ausreichende Mengen und Qualitäten an Baumsaatgut zur Verfügung.

An Hand von drei verschiedenen Kulturen wird im Folgenden dargestellt, wie in der Anbaupraxis unter Feldbedingungen mit Kleinbauern Agroforstsysteme aufgebaut werden können, die zumindest Elemente der dargestellten Prinzipien enthalten. Jede Maßnahme, die dabei den durch die landwirtschaftliche Nutzung auf das Ökosystem verursachten Druck verringert, ist bereits als Erfolg anzusehen.

Systeme für den wiederholten Anbau von Mais und Bohnen
Verfasser: Joachim Milz Februar 2005 ©

  In vielen Regionen Zentral- und Südamerikas sind Mais und Bohnen das wichtigste Grundnahrungsmittel und zentraler Bestandteil der familiären Ökonomie zur Nahrungs­sicherung. Bedingt durch topographische Verhältnisse und die Kultivierung von steilen Hanglagen, Minifundien und die an die ökologischen Bedingungen unangepasste Wirt­schaftsweise, sind bereits große Landflächen erodiert und verkarstet.
Ausgehend von den Prinzipien der natürlichen Artenfolge können Systeme zum Anbau von einjähri­gen Kulturen aufgebaut werden, die zum einen eine permanente Boden­bedeckung ermöglichen und zum anderen genügend Energie in Form von Biomasse produzieren, um so­mit eine nachhaltigere Produktion dieser Kulturen zu erlauben. Neben einer deutlichen Ertragsverbesserung führen diese Systeme zusätzlich zu einer Reduzierung des Arbeitsaufwandes, der normalerweise für Arbeiten zur Unkrautkontrolle notwendig ist. Grundvoraussetzung für den Erfolg ist jedoch, dass die gängige Praxis des Ab­brennens der Felder unterlassen wird, da dadurch die für die Bodenorganismen notwendige Energie bereits in Wärme umgewandelt wird und somit nicht mehr zur Verfügung steht. Viele Landwirte ha­ben Zweifel, dass Mais und Bohnen in der Lage sind, eine Mulchauflage an or­ganischem Material zu durchwachsen. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass eine 30 cm dicke Streuschicht keine negativen Auswirkungen auf das Auflaufen von Mais und Bohnen hat .

 

Maisanbau in Hanglage mit starkem Un­krautbewuchs in San Nicolás – Honduras (Foto: J. Milz)


Mais und Canavalia ensiformis nach dem Durchwachsen einer starken Auflage an Bodenstreu (Foto: J. Milz)


Maisfeld in Agroforstsystem von F. Castellón in Sta.
Barbara – Honduras (Aufnahme F.Castellón )


Dieselbe Maispflanzung, nachdem die Kolben und männlichen Blütenstände abgeknickt worden sind. Canavalia und Straucherbse beginnen das System zu dominieren (Aufnahme F. Castellón)

Diese Form des oben beschriebenen Anbaues von Körnerfrüchten stellte eine Möglichkeit dar, auf erosionsgefährdeten Standorten in Hanglagen, Nahrungsmittel zu produzieren, die den ökologischen Anforderungen des Systems Rechnung trägt. Zudem ist sie erheblich weniger Anfällig gegenüber Risiken wie Trockenheit sowie Krankheits- und Schädlingsbefall und erhöht die Unabhängigkeit der Produzenten gegenüber externen Produktionshilfsmitteln.


Der Betriebsleiter F. Castellón er­läutert die Re­sultate seiner Erfahrungen. Vorne im Bild Zurückschnitt der Strauch­erbsen nach er­neuter Aussaat von Mais und Canavalia, im Hintergrund Be­stand von Straucherbsen in die bereits Mais gesät worden ist